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22. Oktober 2021

Der olle Schrippenzieher

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Keine Brötchen auf dem Frühstücksbüffet. Dafür gab’s Schrippen. Schrippen aller Couleur und in unterschiedlicher Form.
Frage mich gerade, ob der Begriff Büffet hier im vorpommer’schen überhaupt gebräuchlich ist, oder ob man hier nicht eher Frühstücksselbstbedienungstheke sagt. Neudeutsch etwa auch FrühstücksSBtheke. Dass die Akronymisierung der langen Wurmwortwürmer auch hier im Beitrittsgebiet der ehemaligen DDR längst Einzug gehalten hatte, wurde uns nämlich bereits bei der Anreise in der UBB, der Usedomer Bummelbahn bewusst gemacht.

Wie dem auch sein mag, im Schrippenkorb an der FrühstücksSBtheke, gab es nebst anderem obskurem Backwerk auch eine sogenannte Doppelschrippe. Diese sogenannte Doppelschrippe ist nichts anderes als zwei handelsübliche DIN-Normschrippen, von der Form eines Brötchens, welche, vergleichbar mit siamesischen Zwillingen, die an einer ihrer Arschbacken zusammengewachsen sind, zusammenkleben.
Würde man eine Doppelschrippe mit der Schrippenzange aus dem Schrippenkorb fischen und damit im Frühstücksraum in der Luft herumfuchteln, sähe das hochgradig obszön aus.

Da ich aber nicht an der FrühstücksSBtheke herumlungerte, um mithilfe von fliegenden Doppelschrippen obszöne Bilder abzugeben, sondern - man ahnt es bereits - um die Nahrungsaufnahme für den bevorstehenden Tag in die Wege zu leiten, sah ich davon ab.

Wollte ich aber der profanen Alltäglichkeit der Nahrungsaufnahme Genüge tun, so konnte ich mit einer sperrigen Doppelschrippe gerade mal nichts anfangen. Das Ding musste entzwei gemacht werden. Am besten gleich an dieser siamesischen Zusammenklebestelle. Damit nun aber keine Keime aus meiner ungewaschenen Hand an der im Schrippenkorb zurückbleibenden Doppelschrippenhälfte kleben bleiben, ich mir aber dennoch die andere Doppelschrippenhälfte unbeschadet und ohne die Aufmerksamkeit der ganzen Frühstücksgäste auf meinen Teller wuppen konnte, ging ich den Trennungsprozess im Geiste durch. Als ich die Brötchenzange schon in die Finger der linken Hand eingefädelt hatte, sah ich, dass das Problem bereits sonst wer für mich gelöst hatte. In der hinteren Region, links im Schrippenkorb erblickte ich eine einsame, feinsäuberlich abgetrennte Doppelschrippenhälfte. Schnell schnappte ich sie mir, fummelte die Zange wieder von meiner Hand ab und stürmte mit dem geschürften Gold an unseren Tisch.

Ja genau, unseren Tisch. Herbstliche Reisen sollte man immer zu zweit unternehmen.

Die Frage liess natürlich, kaum hatte ich mich hingesetzt, nicht lange auf sich warten: „Das sieht aber lecker aus, hast du mir auch ein Brötchen mitgebracht?“
Hatte ich in der Aufregung natürlich völlig vergessen, spielte aber erst einmal den Schlaumeier: „Das ist kein Brötchen, das ist eine Schrippe.“ Verlautbarte ich im Brustton des allwissenden Philosophen. „Genau genommen die Hälfte einer Schrippe, und zwar einer Doppelschrippe. Sprich: Eine Doppelschrippenhälfte.“

Es half alles nichts, meinem Einwand, mit dem ich beabsichtigte Verwirrung zu stiften, so dass hier am Frühstückstisch endlich das Thema gewechselt und gefuttert werden konnte, wurde kurzerhand die buchstäbliche Butter vom Brot genommen mit der Frage „gibst du mir was von deinem Brötchen ab?“

Was sollte ich tun? Es blieb mir nichts anderes übrig, als den weltlichen Bedingungen klein bei zu geben, meine Doppelschrippenhälfte horizontal zu zerteilen, so dass ein Doppelschrippenhälfteboden und ein Doppelschrippenhälftedeckel entstand. Damit jemand nun nicht bloss knuspriges Deckel-, respektive, gummiartiges Bodengewebe abkriegte, teilte ich die beiden Teile noch zusätzlich diagonal entzwei, so dass am Ende zwei Doppelschrippenhälftedeckelhälften und zwei Doppelschrippenhälftebodenhälften entstanden.

Nun wurde gerecht geteilt, alle waren zufrieden und der Nahrungsaufnahme konnte endlich stattgegeben werden.

D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h

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