Schon lange ein Dorn im Auge sind mir Modediktate.
Auch wenn jetzt Adolf Loos in seiner feuchten Gruft auf dem Wiener
Zentralfriedhof aufschreien oder gar rotieren mag, ist mit das egal:
Vorgestern macht ich
einen radikalen Schnitt und lehnte die Vorgabe an beiden Füssen
eine Socke zu tragen, ab.
Das war im Prinzip gar nicht schwer, dachte ich erst. Die anderen Menschen um mich herum, die ebenda in der Mitte der
Gesellschaft herum standen, schauten zwar etwas brüskiert, getrauten sich aber
nicht, mich zurechtzuweisen oder gar an den Rand hinaus zu drängen.
Zwei Stunden ging das gut, dann zog es mir den Krampf. Komischerweise
zog es ihn mir nicht im unbesockten rechten Fuss, sondern in dem korrekt
gekleideten linken.
Zuerst hüpfte ich mit schmerzverzerrtem Gesicht minutenlang wie
ein Rumpelstilzchen abwechslungsweise vom Stand- aufs Spielbein und
wieder zurück. Vergebens, der Krampf löste sich nicht. Eine
Serie von bis zum beinahe Zerreissen der Fusssehnen verübter
Dehnübungen halfen ebenso nicht. Im Gegenteil, die
Dehnübungen verstärkten die Schmerzen, bis ich fast weinte.
Davon ausgehend, dass Füsse nicht miteinander kommunizieren, sah
ich den Zusammenhang von Krampf und von asymmetrischer Fussbekleidung
nicht, oder erst, als ich in einem verzweifelten letzten Versuch dem
Schmerz zu entkommen, die im Hosensack verstaute nutzlos gewordene
rechte Socke nahm und die diktierte Sockenordnung wieder herstellte.
Der Schmerz verzog sich just in dem Moment, als ich den Sockenbund bis
auf ein Drittel meines Unterschenkels hochgezogen hatte.
Nun stelle ich mir natürlich Fragen. Fragen zu Füssen.
Natürlich kennen sich meine Füsse durch Berührungen.
Gerade nachts hat man keinen blassen Schimmer, was die Kerle da unter
der Bettdecke miteinander treiben. Und man kann nur froh darüber
sein, dass sie sich nicht unkontrolliert vermehren. Aber damit hat es
sich auch schon. Unvorstellbar ist, dass sich Füsse sehen (spielen
Hühneraugen eine bislang unerforschte Rolle im Zusammenleben von
Füssen?), oder gar hören. Kommunizieren Füsse auf einer
geruchlichen Basis? Im Prinzip auch unvorstellbar, da bei näherer
Betrachtung ihrer keine nasenähnlichen Gassensoren zu finden
sind. Allerdings würde eine Kommunikation auf geruchlicher Basis
den unwiderstehlichen Geruch erklären, mit dem Füsse die
Umwelt belasten.
Wie kann also der eine wissen, dass ich dem anderen eine Socke
überzog und warum beschert er mir als Reaktion darauf Schmerzen?
Ist er ein Sadist? Macht er es aus Solidarität zum anderen? Macht er es gar aus Eifersucht und warum
erst zwei Stunden später?
D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h