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13. September 2023

D' Crocs vom Eg├Ânli

Von Welschenrohr

Bei einem Kurzbesuch in Solothurn einstens wurde mir eine Stadtführung zuteil. Zur Auffrischung: Der Kanton Solothurn kam 1481 zusammen mit dem Kanton Fribourg zur "Alten Eidgenossenschaft". Die Aufnahme der beiden wurde an der Tagsatzung von Stans als Teil eines Kompromisses beschlossen. Gerne wird auch heute in Stans noch vom ersten dokumentierten Kompromiss der Menschheit geredet seitdem König Salomon seine Urteile gefällt hatte. Angeblich soll ein abgängiger Ehemann und Vater von einem Cheib voll Kindern plötzlich aufgetaucht sein und den Räten der Tagsatzung hilfreiche Einflüsterungen gemacht haben. Alles unbelegt, aber als esoterisches Wissen überliefert und dadurch wertvolles Futter für kirchliches Geschwurbel bis heute.

Der Kompromiss sah gemäss Wikipedia vor, im Gegenzug zur Aufnahme Solothurns und Freiburgs das Burgrecht aufzugeben. Obgleich in Wikipedia das Wort Burgrecht mit einem weiterführenden Verknüpfung versehen ist, scheue ich mich an dieser Stelle weiterzuforschen und zitiere Hauptkommissar Brix aus dem Frankfurter Tatort vom vergangenen Sonntag, der ziemlich entnervt sagte: "Google halt mal".

Brix sagte den Satz als Entgegnung einer Frage eines Kollegen. Der Dialog drehte sich um ein eben verlorenes (2:2) Spiel der Eintracht Frankfurt gegen die Berner Young Boys. UEFA - Cup oder Cup der Cupsieger - was weiss ich.
Auf jeden Fall sagte der Kollege (von Fussball vergleichbar wenig Ahnung wie ich) zu Brix (glühender Eintrachtfan), nachdem er gehört hatte, dass das Spiel aus und verloren war: "Hat die Eintracht gespielt?" Und gleich noch "gegen wen?" Brix in seiner Enttäuschung, dass sein Klub wertvolle Punkte vergeben hatte beantwortet die Fragen mechanisch, worauf der Kollege erstaunt fragt: "Young Boys Bern? Wer kommt denn auf so einen Namen?"

Ein köstlicher Dialog, ich habe mich scheckig gelacht auf der Couch. Wenn ich den Dialog geschrieben hätte, hätte ich Brix noch die Vermutung "Die katholische Kirche?" anfügen lassen: "Google halt mal. Wer weiss, vielleicht die katholische Kirche."
Aber "Hätte, hätte - Fahrradpumpe", von der Zensur der öffentlich-rechtlichen wäre dieser Dialogteil sicherlich nicht durchgewunken und mit dem fetten schwarzen Edding 5000 gestrichen worden.

Zurück in die Schweiz, wo seit 175 Jahren nicht mehr die "Alte Eidgenossenschaft" tobt, sondern die älteste Demokratie auf der europäischen Scholle.

Gratulation an dieser Stelle an die Schweiz aus der Schnulliblubberredaktion!

In der Zwischenzeit ist der Kanton Solothurn - mit oder ohne Burgrecht - ein gerne gesehenes Mitglied dieser Demokratie. Viele Errungenschaften konnte Solothurn in den vergangenen Jahren beisteuern, so zum Beispiel die erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten: Krokus.

Eine Band mit einem Namen wie ein Alligator (oder einer giftigen Frühlingsblume.) Oder einfach die versteckte Botschaft: Rock Us! Egal, man weiss es nicht oder müsst wohl, zitieren wir Brix erneut - auch das googeln. Dafür habe ich jetzt keine Zeit.

Auf der Stadtführung durch Solothurn trennte uns plötzlich eine Mauer von der Innenstadt. Angeblich ein Teil der historischen Stadtmauer. Ich weiss nicht, ob die Solothurner ein ambivalentes Verhältnis zu den Geistern der Vergangenheit haben, aber dort, ausserhalb der Stadtmauer, in der Nähe vom Baseltor stand in Stein gemeisselt nicht nur der abgängige Stanser Ehemann und Vater von dem Cheib voll Kindern, sondern auch das Grab von der Rockband Krokus.

Bei Rockbands ist das ja so eine Sache. Gerade die fehlende Altersvorsorge zwingt die Musikerinnen und Musiker von Rockbands oft bis ins hohe Alter auf die Bühnen dieser Welt. Unabhängig davon, wie oft sie sich als Band in der Vergangenheit aufgelöst und wiedervereint hatten. Als ich vor dem Krokusstein stand, wusste ich: Von Krokus wird es nie eine Wiedervereinigung geben - Krokus ist tot. Krokus ist hier beerdigt. Hier ausserhalb der Mauer wie ein ungetauftes Kind und der grob gehauene Mergelstein ist der Krokusgrabstein. Die Begönli, die den Stein harmonisch ausstaffieren, bestätigen diese Gewissheit.

Später, es war bereits schon nächtlich und meine Gleichgültigkeit gegenüber geschichtlich Überliefertem erreichte auf der nach oben offenen Henusode-Skala Rekordwerte, begegnete ich noch dem Füdlistei (Gesässstein). Er war nicht Bestandteil der Stadtführung. Einzig meine Frage, warum es ein Biel-, ein Basel-, ja sogar ein Kapuzinertor gebe, aber kein Berntor, hatte zur Folge, dass ich erfuhr, dass es angeblich früher in der Tat ein Berntor gegeben haben soll, dies allerdings in den Wirren der vergangenen Jahrhunderte über den Jordan ging und einzig noch ein sog. Füdlistei existiere, der bei besagtem Berntor gegen Bern gerichtet gewesen sein soll und der heute noch irgendwo in der Altstadt zu sehen sei.

Arsch aus Molasse aud Grundeis

"Ist er". Sagt Euer Lokalhistoriker

D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h

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Kommentare (2)  - Etwas Senf dazu?