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07. August 2026

Terrorthun

Annual Hundsverlochete

Thun – man mag es mögen oder eben nicht. Als leidgeprüfter Bewohner könnte ich euch die ein oder andere Schrulle erzählen, aus der mondänen Alpenmetropole.

Stadt der Alten sagen die einen, Berlin der Schweiz die anderen.

Brot und Spiele, Krieg und Frieden solche Dinge halt. Jährlich wird am ersten Augustwochenende seit fünfzig Jahren die Eröffnung einer Fussgängerbrücke gefeiert, die einen direkten Zugang zum Parkhaus auf der anderen Seite der äusseren Aare gewährt: Das Thunfest. Kategorie Krieg und Spiele.

In dem halben Jahrhundert, in dem sich diese Feier in Thun zur nicht mehr wegzudenkenden Tradition mauserte, erhoben sich auch hässliche Fratzen, die behaupten, das Thunfest sei die drittgrösste Party, die in der Schweiz jährlich gefeiert werde.

Das kann schon sein. Number one and two sind unbestritten die Streetparade in Zürich und das Buskers in Bern. Und Thun wäre nicht Thun, wenn die beiden nicht am gleichen Wochenende stattfänden, wie das Thunfest. Immerhin Bronze.

Ich empfinde das Thunfest als eine der bescheuertste Veranstaltungen überhaupt. Berlin der Schweiz hin oder her.

Natürlich wurde das Fest über die Jahre immer grösser und unübersichtlicher, aber im Prinzip war schon die erste Ausgabe bescheuert.

Machen wir uns nichts vor. Mein Eindruck, dass das Thunfest von Jahr zu Jahr beknackter wird, hängt wohl eher mit mir und meinem über die Jahre kultivierten Starrsinn zusammen, als mit der Entwicklungsfahrt des Fests auf der Abwärtsspirale der Geschmacklosigkeit.

Am Mittwoch vor dem Jubiläumsfest 2026, einem Tag, der in der Vergangenheit mit Fug und Recht als die Ruhe vor dem Sturm bezeichnet werden konnte, herrschte in der Thuner Innenstadt bereits Krieg.

Alle Zufahrten waren unumstösslich bewehrt mit diesen Antiterrornagelbrettern, die beim Befahren mit mehr als 5 km/h hochklappen und Schäden an Karosse und Lenkgeometrie verursachen.
An ausgewählten Standorten sah ich Registertonnen von mobilen Betonblöcken der Marke Swissbloc hingestellt, sodass die Stadt mühelos als Übungsgelände von nordamerikanischen Antiterrormilizen durchging.

Ich kam mir vor wie ein Fremder. Ein Fremder in der eigenen Stadt.

Das einzig Vertraute, das ich auf meiner Flucht hinaus aus der sich in Vorbereitung befindenden Festhölle wahr nahm, waren die Flecken von ausgeschüttetem Bier und von eingetrockneter Kotze, die sich farblich klar und kontrastreich von dem Strassenbelag abhoben.

Da es erst Mittwoch Nachmittag war, lange vor dem eigentlichen Gelage, musste ich davon ausgehen, dass sie die vom Vorjahr eingelagert und wieder ausgerollt hatten.

D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h

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Kommentare (2)  - Etwas Senf dazu?