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22. Juli 2019

Eine kleine Berggeschichte

Kessel bunter Beton

In seiner Freizeit und bei schönem Wetter fährt der Schweizer gerne in die Berge zum Leutegrüssen. Im Leutegrüssen ist er der Meister seiner Klasse. Er grüsst beim Wandern, er grüsst beim Bergsteigen und er grüsst beim E-Biken. Nicht selten ist auch Gott im Spiel ..und es hob an ein grosses Gegrüsse über allen Wipfeln. Und an Ruhe ward nicht mehr zu denken: Grüess Gott! Steht es zu lesen im Bergsportbrevier des schweizerischen Alpenklubs.

Onkel Alfons war ein begnadeter Wandersmann. Zu jeder Jahreszeit zog es ihn zu den Gipfeln. Keine Krete war vor im sicher, kein Grat, der nicht durch Alfonsens vibrambesolten Fuss beschritten ward. Was er von Frühling bis Herbst bezwang, wurde noch im Winter desselben Jahres unter die Skier oder Schneeschuhe genommen. Er lebte alleine, hatte kaum Freunde und war bekannt dafür, dass er, einer kruden Konsequenz folgend auch alleine seine Touren unternahm.
Mitte der neunziger Jahre, an einem sonnigen Novembertag, zog ein Heli der BOHAG seinen steifgefrorenen Leichnam aus einer Radialspalte des damals noch vorhandenen unteren Grindelwaldgletschers. Eine Gletscherexpedition fand ihn zufällig und man konnte letztlich nicht mehr feststellen, wie lange er in der Spalte lag, oder wie lang er nach dem vermeintlichen Sturz noch lebte. Dass er nach dem Sturz noch gelebt haben musste, erkannten die Rettungskräfte daran, dass er den Proviant den er in seinem Rucksack mitführte, bis auf den letzten Krümel weggefuttert hatte. Rätselhafterweise hielt er eine Taschenbuchausgabe von Brontës Sturmhöhe in Händen, welches er auf der ersten Seite aufgeschlagen hatte.

Dass er ein Buch mit auf die Tour mitgenommen hatte, verstand niemand. Niemand bis auf mich, denn mir erzählte Alfons bei jeder sich bietenden Gelegenheit über seine Liebe zu den Bergen. In mir musste er eine kleine Flamme brennen gesehen haben, die er als Leidenschaft für die Bergwelt deutete. Mich bestimmte er zu seinem Adepten und erzählte mir die Geheimnisse seiner Welt.

Alfons las eigentlich keine Bücher. Das Buch, das er auf jeder Bergtour mitführte, erfüllte einen ganz profanen Zweck. Er mochte ein verschrobener Spinner gewesen sein, aber er wusste, selbst dem erfahrensten Berggänger passierte es hin und wieder, dass er in eine Situation geriet, aus der er sich nicht mehr aus eigener Kraft befreien konnte. Die Vorstellung, am Rand eines Wanderwegs zu liegen und zu warten bis Hilfe kommt, war für ihn unerträglich. Er war sich sicher, in einer solchen Situation verrückt zu werden. Um dem vorzubeugen, war in seinem Rucksack stets ein Taschenbuch eingelagert. Er malte sich aus, den unwahrscheinlichen Fall, auf Hilfe dritter warten zu müssen, lesend zu überbrücken.

Dass er es, als sie ihn fanden, auf der ersten Seite aufgeschlagen hatte, konnte nur bedeuten, dass er vergessen hatte, seine Lesebrille einzupacken.

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Meine Interessen verlagerten sich bis Weilen nur marginal hinein in die mich umgebende Bergwelt. Das traurige Ende Alphons war eher nicht der Grund dieser Abkehr, viel mehr war es die körperliche Ertüchtigung, die mit Bergtouren einhergeht. Mehr als Wandern und Bergsteigen interessiere ich mich für brutalistische Architektur.

Hier als eine kleine Reminiszenz aus der längst vergangenen Frankreichreise (kuckstu Bild, jetzt), diese Rückansicht eines exemplarischen Baus brutalistischer Ausprägung. Wer den Zweck dieses sarkophagesken Buntbaus errät, kriegt einen Preis. Den Preis muss ich noch ausbaldowern - ein Bier oder einer dieser begehrten Blicke in meinen Kulturbeutel.

D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h

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