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Bier und Wurst (2005)

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 09. Dezember 2005 Abenteuer Bierkauf
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 28. November 2005 Die toten Toten Hosen
 11. November 2005 Urlaubsreif mit Per√ľcke
 26. Oktober 2005 keine Macht dem Vogelgeri
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 30. September 2005 Merkel ist weg
 21. September 2005 ausgemergelt
 20. September 2005 Suppentag2005
 14. September 2005 Deutsche Superhelden
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 19. August 2005 Karrierepl√§ne
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 29. Juli 2005 VWolfsburg
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 13. Juli 2005 Domsch√§nke
 30. Juni 2005 Das Thunerbier
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 01. Juni 2005 Maibaum Paradize
 31. Mai 2005 Der Langhaarnazi
 25. Mai 2005 Julias Vater
 19. Mai 2005 Bayerische Angusrinder
 13. Mai 2005 gschwind wie der Wind
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 04. Mai 2005 der Schwarze Block
 29. April 2005 drohende K√ľnstlerwerdung
 26. April 2005 Mueseggmauer
 25. April 2005 Schweizerische B√ľrokrati
 22. April 2005 43Kilo Luftfracht
Spass mit Schnulliblubber

26. März 2020

Tag 10

Schnaps da

Eine der brillantesten Ideen im Kampf gegen das Virus, ist das Einsammeln von sogenannten Alkoholspenden. Weil die Desinfektionsmittelindustrie mit ihrer Produktion den aktuellen Bedarf an Industriealkohol nicht mehr decken kann, dadurch in Lieferverzug und gräusliche Kalamitäten gelangt, kam ein findiger Kopf auf die Idee, in der Bevölkerung ungenutzte Schnapsreserven einzusammeln. Der gesammelte Altschnaps wird dann in einer Brennspritfabrik zu vergälltem Brennsprit transmodifiziert. Vergällter Brennsprit eignet sich hervorragend zur Flächendesinfektion oder zum Händewaschen. (Anm. der Red.: Vergällts Gott, bräuchte es die Brennspritfabrik nicht).

Nun gibt es hierzulande bloss Sammelstellen für die bekannten Wertstoffe Papier, Kehricht und Altglas. Keine für halbvolles Jungglas. In Thun, dem beschaulichen Nest am Fusse des Alpenkamms, hat es sich die Stadtreinigung auf die Fahne geschrieben beim Einsammeln der Schnapsreserven behilflich zu sein. Die Herausforderungen an die Einsammel-Logistik können dadurch klein gehalten werden, da die nötige Infrastruktur vorhanden ist. Und als willkommener Nebeneffekt wittert man durch diese beherzte Tat, die Chance, das Image, das seit dem Karton-Desaster arg ramponiert ist, wieder etwas aufzumöbeln.
Entsprechende Informationen wurden als Flugblätter in alle Haushalte verschickt. Darauf aufgedruckt die wohlgemeinte Aufforderung, ungenutzt zu Hause herumstehende Schnapsreste doch bitte zusammen mit dem Kehricht zu den eigens dafür aufgemalten Kehrichtsammelpunkte am Strassenrand zu stellen. Jeweils einmal die Woche, am gleichen Tag wie der Kehricht. Unbürokratisch - pragmatisch. Auf der Rückseite wurde - wen's interessiert - die Herstellung von Brennsprit erklärt (gähn!), sowie seine Wirkung auf Viren und Ungezifer bei der Anwendung als Desinfektionsmittel zur Flächendesinfektion.

Wie gesagt, eine brillante Idee, fand ich. Vergangenen Dienstag, am Tag vor der Kehrichtabfuhr (ich stelle den Kehricht immer schon am Vortag raus. Eine Angewohnheit aus der Vor- Home Office Zeit, wo ich morgens weder Muse noch Zeit hatte, mich um das Verschnüren des Kehrichtsackes zu kümmern) sammelte ich die halb leeren Cognac- und Zuckerrohrschnapsflaschen ein und stellte sie wie in der Infoschrift geheissen, zusammen mit dem vollen Sack an die Strasse. Mit dem guten Gefühl etwas Gutes getan zu haben schlief ich einen vorzüglichen Schlaf der Gerechten. Träumte von regenbogenfarbenen Einhörnern und leuchtenden Viruskugeln, die beim Ausritt in die Stratosphäre verglühten.

Schnaps weg

Am Mittwochmorgen, ich konnte es kaum erwarten, und musste bereits um sechs einen ersten verstohlenen Blick auf den Kehrichtsammelpunkt werfen, waren die Schnapsflaschen tatsächlich feinsäuberlich weggeräumt. Emsig, emsig die Leute von der Stadtreinigung, dachte ich. Es sah allerdings so aus, als hätten sie es sich anders überlegt und die angestrebten Synergien nicht in dem Umfang genutzt, wie geplant. Denn mein Kehrichtsack lag noch dort.

Später, bei ihrem Kontrollbesuch in meiner Behausung, klärte mich meine Bewährungshelferin über den Sachverhalt auf. Von Amteswegen war sie stets gut informiert und hatte keine Scheu, Interna aus der Verwaltung mit mir zu teilen. Meistens kommt sie am Vormittag mit frischem Backwerk vorbei und bei Kaffee und Kuchen erzählt sie mir den neuesten Gossip aus Stadt und Kanton.
So auch am Mittwoch. Die Stadtreinigung liess offenbar zum Einsammeln der Schnapsreste einen Trupp Langzeitarbeitslose, die normalerweise vor dem Bahnhof herumhängen zusammentreiben. Vor dem Bahnhof herrscht seit ein paar Tagen sowieso dicke Luft und es wimmelt nur so von Polizisten, die das Herumlungern in Gruppen unterbinden. Einen solchen Trupp zusammenzutreiben soll ein Einfaches gewesen sein, meinte sie. Die Damen und Herren Leberzirrhotiker (und andere Subjekte) sollen bereits am selben Tag mit Bollerwagen und Handschuhen ausgerüstet und losgeschickt worden sein.

Hinter vorgehaltener Hand meinte Sie in verschwörerischem Duktus: "Es werden in der Chefetage der Stadtreinigung wahrscheinlich Köpfe rollen..."

D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h

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