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30. August 2021

Die Jagd nach Nahrung

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Über die VorzĂŒge der grossen Jahreszeiten (Vivaldi) wurde an dieser Stelle bereits ausfĂŒhrlich berichtet. Es ist an der Zeit, auch die kleinen Jahreszeiten mit entsprechenden LobgesĂ€ngen zu besingen, ja sie sogar mit einem benutzerfreundlichen Namen zu versehen.

Ohne weiter darauf eingehen zu wollen, befinden wir uns bekanntlich im SpĂ€tsommer. Dem Ort auf dem annualen Zeitstrahl, der geradezu dafĂŒr gemacht wurde, um kleinen Jahreszeiten Platz zu bietet. Die Zeit zwischen dem unentwegten Schmoren am Strand (Sommer) und dem KĂŒrbisessen bis einem die Ohren wackeln (Herbst).

Ende August steht die Sonne zum Beispiel fĂŒr die grossen Bergtouren noch zu stotzig, also verbringt man hierzulande die arbeitsfreien Tage damit, von Hochsitz zu Hochsitz zu schleichen, das Ă€sende Wild zu kartieren und die ein oder andere Planke zu erneuern. So dass man dann, wenn nĂ€chste Woche die Hirschjagd losgeht, nicht schon am ersten Tag beim Ansitz in der DĂ€mmerung besoffen aus dem Turm fĂ€llt. Dies dooferweise nur wegen nachlĂ€ssig imprĂ€gniertem Holz, welches ĂŒber das vergangene Jahr morsch geworden ist oder dem Pilzbefall erlag.

Krönung eines so verbrachten Tages ist dann unbestritten das spĂ€tnachmittĂ€gliche Einkehren, um einen Coupe (Eisbecher) zu verzehren. Ende August ist man bei der Wahl der Schlemmereien nĂ€mlich freiestens frei, frei von Ă€usseren Beeinflussungen. Sei es durch die SaisonalitĂ€t der Zutaten (Coupe Romanoff, Coupe Nesselrode) oder sei es durch obskure regionale Vorgaben ("Hach Gottchen, im Kemmeribodenbad wart ihr. Da musstest du einfach eine Meringue von der Grösse eines Nilpferdkopfes essen und zwar garniert mit Vanilleeis, dargereicht in einem Eimer, gefĂŒllt bis oben hin mit Greyerzerdoppelrahm").

Zwanglos geht man Ende August da einfach rein, bestellst und isst einen Coupe DĂ€nemark und geht wieder raus. Ohne schlechtes Gewissen und ohne dass das Restaurant von einem dĂ€nischen Koch in der vierten Generation gefĂŒhrt werden muss. Ich möchte diese kleine Jahreszeit, die sich ĂŒber das Ende des Augusts erstreckt, gerne "Coupe-DĂ€nemark-Jahreszeit" nennen. Mit Bindestrichen, synthetischer Schockosauce und allem Pipapo.

Nun gestern sah das auf den ersten Blick tatsÀchlich schwierig aus. Der einzige Restaurationsbetrieb, der da wo ich aus dem Wald kam, stand, war ein sogenannter amerikanischer Pub mit dem schmissigen wie originellen Namen "Route 666". Anstelle einer drehenden Guinnessharfe, wie man dies von Pubs normalerweise kennt, war der Parkplatz vor dem Haus mit blinkenden Cowboystiefeln, einem Sternenbanner und der Slawischen Trikolore beflaggt, welche ihrerseits vom rot-weiss geschachten Wappen Kroatiens verziert war (...)

Eine eigentĂŒmliche Mischung durchfuhr es mich. Die Hoffnung, in dieser GaststĂ€tte einen Coupe DĂ€nemark essen zu können, schwand zusehends. Andererseits befand ich mich immer noch in der Schweiz. In dem Land, wo den Eingeborenen Cordon Bleu, Riz Casimir und eben Coupe DĂ€nemark verfassungsrechtlich zugestanden werden. Also rein, denn - wer wagt, gewinnt! - und was soll ich sagen? Gewonnen.

Die Dessertkarte war vom Äusseren her von bekannter Aufmachung, enthielt aber nebst dem Objekt der Begierde tatsĂ€chlich die halbe OstkĂŒste Amerikas zu Eisbechern verwurstet (Coupe California, Coupe Oregon, Coupe Hawaii) und konnte sogar mit kroatischen SpezialitĂ€ten wie Coupe Banana Split und fĂŒr Kinder mit der beliebten Winnetou Glace trumpfen.

D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r.ç h

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