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10. Januar 2012

neulich am Gleis

warten auf ICE-Godot

Daran, dass auf den Bahnsteigen in Zeiten grosser Verspätungen und nichtwartender Anschlusszüge sich das gesamte, sonst so zahlreich herumstehende Bahnpersonal in die Ritzen der Bahnhöfe verkriecht wie meine Küchenschaben, wenn ich nachts noch zum Kühlschrank gehe, hat sich in all den Jahren in denen ich Zug fahre nichts geändert.

Neulich rennt eine Frau mittleren Alters, Zugmaschine mehrerer Rollkoffer und Beautycases, die Bahnsteigtreppe hoch und an mich heran und schnappt beängstigend nach Luft. Neben uns fährt gerade - fröhlich pfeifen seine Traktionstrioden die Anfahrtonleiter - der ICE27 nach Wien-Westbahnhof seine ersten unbeholfenen Meter des langen Weges Richtung Zwergstaat inmitten der Alpen. Was wird er auf seinem eisernen Weg erleben? Wie oft darf er über die winterliche Donau fahren? Regensburg, Passau, Linz. Dort im Süden muss um diese Zeit im Jahr bereits eine Menge Schnee liegen. Wird er es überhaupt schaffen aus eigener Kraft den gewaltigen Kräften der Natur zu trotzen?

Ich habe noch etwas Zeit. Mein Zug fährt in zehn Minuten auf dem gleichen Gleis in ähnlicher Richtung in einen anderen Zwergstaat inmitten der Alpen. Ich warte.

Die Frau lässt nun eine wüste Tirade auf das Unternehmen Bahn ab, welches wieder einmal auf Grund von Verspätungen die Anschlusszüge nicht fünf mickrige Minuten hatte warten lassen können. Leider – wie immer wieder bekräftigt wird. "Ein gefühltes Dutzend Mal wurde sie heute schon von einer Lautsprecherstimme um Verzeihung gebeten". Erzählt sie mir, "wegen technischen Problemen. Wegen Obskuritäten im Betriebsablauf. Wegen Irgendeinemverfluchtenscheissdreck"!

Sie reisst mich jäh aus meinen Tagträumereien. Ich sehe mich um und stelle zwei Dinge Fest: Erstens haben offensichtlich noch mehr Zugsreisende den Anschlusszug nach Wien verpasst und zweitens wird die Suche nach einer Auskunftsperson der Bahn eine aussichtslose bleiben, denn es ist weit und breit niemand in Uniform zu sehen. Hinter der Scheibe vom Bahn-Kontakt-Container in der Mitte vom Bahnsteig gähnt die beklemmende Bahnbeamtenleere.

Erprobt in solchen Situationen, weiss ich natürlich sofort Abhilfe und frage die leidgeprüfte Wienreisende mit dem Auswanderergepäck nach einer Zigarette und Feuer. Sie schaut mich leicht derangiert und mit verzweifeltem Blick an, schüttelt mir aber nach einer kurzen Pause eine Gauloises light aus der Packung.
Sie zündet mir die Zichte mit dem unnützen Hinweis an, nicht im Raucherbereich zu stehen und ich ziehe einen tiefen Zug.

Nun passieren drei Dinge beinahe gleichzeitig: Der noch kalte Rauch des ersten Zuges bahnt sich ICE-sk mit 200bpm seinen Weg hinab in die Vorzimmer meiner jungfräulichen Nichtraucherlungen, um dort die Hustenreize sanft aber bestimmt aus dem sommerlichen Dämmerschlaf zu wecken. Während ich das Kratzen an den feuchten Wänden meiner Schläuche fühle und mich innerlich bereits auf das spastische Zucken meines gesamten Körpers freue – meine allererste Zigarette ist nun auch wieder nicht – lässt die Frau instinktiv, jedoch mit einer tragenden Laszivität die Flamme ihres Wegwerffeuerzeuges ausgehen.

Bevor jedoch die Flamme vollends ausgeht, schiebt sich eine kleine hässliche Bahnbeamtin zwischen uns beide und herrscht mich an gefälligst in dem dafür gekennzeichneten (gelbe Markierung) Raucherbereich zu rauchen.

Geistesgegenwärtig huste ich ihr den ersten Zug in ihr zerknittertes Gesicht und Die Frau mit den Koffern packt die Bahnbeamtin am Kragen und kann nun Informationen aus ihr herauszuquetschen. Sie bedankt sich mit einem Augenzwinkern, ich verschwinde im Raucherbereich und wenn ich nicht gestorben bin, so huste ich heute noch.

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Und nicht verpassen, es könnte durchaus das letzte Mal sein:
Diskko mit den DJJ (Disgo Joggen Jurassic) Brutalo und Bö am Samstag 28. Jänner 2012 im Mokka (Tür und Musik: 21 Uhr)

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Der Epos TTH nimmt die Mütze und geht nach Haus

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D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r .ç h (263)

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