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26. Juni 2007

Wiedersehen mit Klaus

Backhefe und Tintenfisch

Am Sonntag ist wieder einmal Klaus aufgetaucht. Klaus ist ein seit etwa drei Jahren verschollener Tintenfischbursche, den ich dereinst an der Costa Brava kennen lernte. Ich rettete ihn aus seinem Eiswürfelbett, vom Markttische eines skrupellosen Fischhändlers. Wir wurden sofort Freunde.

Am Tag nachdem ich 2004 meine persönliche Ausrüstung der Schweizerischen Armee ins Zeughaus Bern zurückbrachte weil ich ausgemustert wurde, verschwand Klaus aus meinem Leben. Ich hatte mich damals gefragt, ob er, ohne dass ich es wusste, auch zu der Dienstausrüstung gehörte und mir dereinst in Spanien, von höherer Stelle absichtlich zugespielt worden war. Eine Weile grübelte ich nach der Ausmusterung noch an seinem Verschwinden herum, konnte mir aber insbesondere keinen Reim darauf machen, wozu ich ihn im Falle eines Kriegsdienstes hätte brauchen sollen. Ich vergass ihn bald.

Am Sonntag wie ich aufwache, ist er wieder in meinem Kopf. Geschickt, nein: tintenfischgeschickt saugt er sich mit all seinen kleinen Saugnäpfchen an der Innenseite meines Schädels fest und absorbiert meine Gedanken. Wie damals trete ich durch sie mit ihm in Kontakt und freue mich auf das unerwartete Wiedersehen. Klaus hat so einiges erlebt in der Zwischenzeit und weiss die unglaublichsten Räuberpistolen zu erzählen.

Ich weise ihn darauf hin, dass ich nach der vergangenen Nacht (ich habe in der Dorfdisco die Jungen, frisierten Wilden mit der Rockmusik meiner Zeit auf die Verzweiflungsmomente des Alters vorbereitet) noch etwas waidwund darniederliege und mich danach sehne erst einmal meinen Batterien eine Stärkung mittels Käffchen zukommen zu lassen. Ebenso drängt es mich nach Massnahmen zur Entledigung der Verdauungsprodukten der letzten Nacht. Einen dicken Blocher spüre ich bereits an der Tür klopfen.
Ich biete Klaus für die Zeit seines Besuches eine geräumige Stirnnebenhöhle im linken Sinusbereich, mit Warmwasser und Elektrizität (Gewitter), die er dankbar annimmt. Das vertraute Schmatzen, das er erzeugt wenn er sich verzieht, weckt sentimentale Gefühle und ich muss kurz ein Weinen unterdrücken.

Später bietet er mir bei einer Flasche Ja-Doppelkorn, die er seinem Lehrmeister in Marktheidenfeld (Bayern) abgeluchst hat, eine extravagante Schädelknochenmalerei an. Offenbar hat Klaus in den vergangenen Jahren eine Karner-Lehre erfolgreich abgeschlossen und sich auf die Schädelknochenmalerei am lebendigen Objekt spezialisiert.
Ich bin sofort einverstanden und gebe ihm Papier, Malstifte und zu bedenken, dass es mir lieber wäre, wenn er doch nur dann am Werke sein soll, wenn ich schlafe. Ich erkläre ihm, dass ich die zentralen Hohlräume in meinem Kopf tags anderweitig verwende. Klaus ist einverstanden und geht noch in der darauffolgenden Nacht ans Werk.

*****

Auch wieder einmal spät nach Hause kamen TTHäbeni . Die Maritimität haben sie sich rätselhafterweise noch nicht ganz weggeballert.

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D J B r u t a l o @ s c h n u l l i b l u b b e r . c h

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