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03. Januar 2006

Weihnachtsgeschichte

schlaf in himmlischer Ru-hu

Heiliger Bimbam

An Heiligabend war es bei uns seit je her Familientradition, ausgiebig zu feiern.
Draussen fegte seit Tagen ein fürchterlicher Schneesturm und begrub das ganze Land unter einer meterdicken Schneedecke. Alles jammern nützte nichts, wir drei Brüder wussten, dass wir noch ein letztes mal raus mussten, denn vor dem Fest gab es immer noch einige Vorbereitungen zu treffen.
So zogen wir uns also warm an und schritten hinaus, die Aufgaben zu erfüllen, welche uns Vater auferlegt hatte.

Auf dem Weg in den Wald entdeckten wir die ganzen Tiere starrgefroren. Die Fütterung ihrer konnten wir uns sparen. Um zu Hause keinen Verdachtsmomente aufkommen zu lassen, verspeisten wir die zu diesem Zweck mitgebrachten Lakritzstangen eiligst selbst.

Brennholz fanden wir keines. Die Schneemassen der letzten Tage waren durch den eisigen Wind bereits stark in den Wald hineingeblasen worden, so dass sie dort alles unter einer undurchdringlichen Schicht begruben.

Damit wir unseren Frieden haben während dem Fest, musste das Geläute der Katholischen Kirche in der Nachbargemeinde Blumenstein ausser gefecht gesetzt werden. Zu diesem Zweck hat Vater eine Apparatur entwickelt, welche an der Kirchturmaussenmauer befestigt werden mussten. Die Maschine hatte den Effekt, dass wenn die Kirchenglocken das nächste mal geläutet wurden, die hochfrequenten, weithin hörbaren Klänge invertiert und in ein brummendes Gequäcke umgewandelt wurden. Die so übrig gebliebenen tiefen Töne konnten sich, wie man ja weiss, akustisch kaum noch ausbreiten. Bei uns in der warmen Stube herrschte so Ruhe und Frieden.

So gingen wir teils unverrichteter Dinge, jedoch gut gelaunt nach Hause zurück um uns aufzuwärmen und das Fest der Liebe zu feiern wie jedes Jahr.

Als wir nach Hause ankamen, war Vater gerade damit beschäftigt, die selbstgeschnitzten Krippenfiguren der letzten Jahre im Ofen zu verbrennen. Er lachte dazu laut und stammelte unverständliches Zeugs in einer fremden Sprache. Mutter war seit der letzten Lichtmess damit beschäftigt, aus den abgeschnittenen Haupthaaren der anderen Familienmitglieder, eine Steppdecke zu häkeln. Die Decke war schon so gross, dass sie einen grossen Haufen bildete, der die Hälfte vom Wohnzimmer einnahm. Zuoberst sass Mutter und häkelte wie eine Besessene. Nur wer wusste, dass sie dort oben sass, nahm sie auch wahr.

Plötzlich schrie Vater laut auf und fuchtelte mit der brennenden Jesusfigur wild in der Luft herum, dass wir es mit der Angst zu tun bekamen. Alle drei sprangen wir auf und flüchteten. Die Seitenverkleidung des  Klaviers, welches neben der alten Tretnähmaschine in der Stube stand, liess sich öffnen und eine schmale Treppe führte in ein Zwischengeschoss. Von unten hörten wir Vater noch lange in der Stube herumpoltern. Wir wussten, dass er zu dick war um uns in das Geheimversteck zu folgen. Mutter, vertieft in ihre Handarbeit, schien von den dramatischen Vorgängen nichts zu merken.

Da wir eine solche Flucht bereits geahnt hatten, waren wir auch gut vorbereitet und speicherten bereits Monate zuvor Lebensmittel ein im Zwischengeschoss. Nachdem Vater mit seinem Lärm aufgehört hatte, machten wir uns daran die gesammelten Köstlichkeiten zu verspeisen. Wir schliefen und erwachten und verbrachten wohl die nächsten Tage in unserem sicheren Versteck. Weil das Zwischengeschoss keine Fenster hatte, wussten wir nie wann gerade Tag und wann Nacht war. Es herrschte totale Dunkelheit

Gestern trauten wir uns das erste mal wieder hinaus. Zu unserem erstaunen war das Klavier feinsäuberlich in seine Bestandteile zerlegt. Der Weihnachtsbaum stand immer noch an seiner ursprünglichen Stelle, hatte jedoch das eine oder andere Blatt eingebüsst. Mutter und Vater waren weg, ebenso die gehäkelte Decke.

Die Nachbarin, welche gerade dabei war ihre Möbel in unsere Wohnung zu stellen staunte nicht schlecht, als sie uns erblickte. Sie war sich nämlich sicher unseren Vater am zweiten Weihnachsfeiertag gesehen gehabt zu haben, wie er laut durchs Treppenhaus brüllte, dass er unsere Mutter mit Sack und Pack in Rumänien verkaufen wolle, und daraufhin Richtung Osten davon gefahren gewesen sei. In der Gewissheit, dass die Wohnung nun unbewohnt ist und auch bleibt, habe sie mit der Annexion begonnen.

Wir merkten, dass in der Zwischenzeit einer unserer Brüder abhanden gekommen war. Ob er flüchten konnte und längst über alle Berge ist, wussten wir nicht, wir fanden nicht einmal heraus welcher von uns dreien fehlte.

D J B r u t a l o @ s c h n u l l i b l u b b e r . c h

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