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29. März 2005

Triebt├Ąters

Gebissflora

Man glaubt gar nicht was sich alles in den Zahnzwischenräumen, bei mangelhafter Zahnhygiene entwickeln kann. Diese Aufnahme gelang meinem Zahnarzt bei der letzten Konsultation im Januar mit der Hilfe seines neuangeschafften Vierfarben-Rasternahfeldmikroskopes. Die Beläge sind grösstenteils pflanzlicher Natur und dienen der einheimischen Bakterienwelt als Nahrungsgrundlage. Direkt von der Farbenvielfalt abhängig ist der damit verbundene Mundstuhl.
Nach einer Mundspülung mit handelsüblicher Alkoholika (Tequila, Spiritus, Tapetenreiniger) reduzieren sich die Farben dramatisch, die Wirkung ist aber nur eine kurzfristige und wer bereitet sich schon durch Einnahme der oben erwähnten Flüssigkeiten auf einen Zahnarztbesuch vor.
Das Bild wurde mir soeben vom Zahnarzt meines Vertrauens per E-mail hektografiert. Der Gedanke an seine Rechnung erinnerte mich daran, dass ich mit meinen nunmehr 36.5 Jährchen vielleicht mal eine Bestandsaufnahme (Inventur) der Errungenschaften erstellen sollte.

Zuvorderst auf meiner Liste der pendenten Bestandsaufnahme gilt es eine Liste meiner Ängste (Zahnarztrechnung) zu erstellen. weil dies für mich aber ein eher heikles Thema darstellt, beginne ich mit einer etwas trivialeren: der Liste meiner Triebe. Interessieren tut mich einerseits, was von den animalischen Drängen der Frühzeit (Pubertät) den noch vorhanden ist, andererseits will erforscht werden, ob der Mensch in der Lage ist Triebe neu hinzu zu entwickeln, welche seinem Naturell (Jäger und Sammler) nicht entsprechen.

  • Der Fresstrieb ist mir, wie zu erwarten noch nicht abhanden gekommen. An dieser Stelle einen grossen Dank an das vegetative Nervensystem
  • Der Drang Dinge aus Kunststoff zu sammeln um sie dann später einmal mit Leim aneinander zu kleben und zu einem gesamtheitliches Ganzes zusammen zu fügen. Dieser Drang befremdet mich mit zunehmendem Alter, zumal er immer stärker wird. Dieser Drang geht wohl einher  mit dem Wunsch, nach meinem Tod nicht bloss durch einen schnöden Grabstein, der Nachwelt (dem Friedhofgärtner) in Erinnerung zu bleiben.
  • Der Trieb, wöchentlich zum Friseur zu gehen. In meinem Alter einfach nur "Normal". Auf ein gepflegtes Äusseres zu achten allerdings, kann wohl kaum als Trieb bezeichnet werden, vielmehr ist das krankhaft und mir deshalb nicht eigen.
  • Der Drang alkoholische Getränke zu konsumieren, wenn sich Gelegenheit dazu bietet, entwickelte sich erst nach meiner Pubertät und ist auf mein ambivalentes Verhältnis von Gesetz und Drogenkonsum zurückzuführen.
  • Zwanghaftes betrachten des Zustandegebrachten vor dem Exitus. Es wird oft tagelang nur EDV und Papier erzeugt, so dass jegliche Produkte morphologischer Statur, welche meinereiner Zustandebringung entsprangen, mit religiöser Ehrfurcht betrachtet und hinuntergespült werden.
  • ...

Das ganze wird mir zu intim und ich breche die Liste besser hier ab.
Die Zeit muss nun genutzt werden um aus dem Inhalt von Myriaden von Überraschungseiern und nutzlosen Puppenköpfen ein neues Fussballstadion für die Region zusammenzuleimen.


D J B r u t a l o @ s c h n u l l i b l u b b e r . c h

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