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05. November 2007

Scheitern PRO.

holper di Stolper

Es ist Montag Morgen. Es ist Montag Morgen Null-Fünf-Nullnull Uhr. Der mondänmoderne Mensch verlässt sein beschauliches Zuhause , beendet das erholsame Wochenende, um zurück in die brennende und lebensfeindliche Arbeitswelt zurückzukehren.

Es ist dunkel. Im Dunkel der Nacht scheitert er bereits früh an den Aufgaben des Alltags. Er verwechselt einige Kleidungsstücke und vergisst in der Schlaftrunkenheit wichtige Dinge einzustecken. Ohne Mobiltelefon und Schlüssel begibt er sich in eine unbekannte und fremde Welt. Dass er wichtige Dinge vergessen hat, weiss er nicht, ahnt es aber. Was er allerdings weiss ist, dass er gerade in ein düster Tal eingetreten ist. In ein Tal, in welchem extra für ihn die Stolpersteine des Scheiterns ausgelegt sind. Um die am Wochenende aufgesogenen Energiereserven zu mobilisieren, braucht der mondänmoderne Mensch dringend ein Erfolgserlebnis.

Der Versuch, auf dem Bahnsteig dem Fahrkartenautomaten eine Fahrkarte zu entziehen, scheitert bereits an der Bedienung des Berührungsbildschirmes. Dem arglosen Reisenden wird unmitelbar bewust, dass solche Automaten von einem System hervorgebracht werden, welches es sich zum Ziel gemacht haben muss, die menschliche Würde vollends zu demontieren. Das Selbstwertgefühl ist unwiederbringlich dahin. Verglichen dazu geht man als erwischter Schwarzfahrer mit einem stalinisch-hitlerischen Selbstvertrauen aus dem Wortduell mit den Kontrolleuren hervor. Dem wegfahrenden Zug, aus welchem man gerade (bei einem Extrahalt auf offener Strecke) hinausgeworfen wurde, schreit man hinterher: "Wir kapitulieren nie! Niemals!"

Wenn der mondänmoderne Mensch heimlich und vom Grenzwachtkorps unbemerkt das Land verlässt, ist es immer noch dunkel. Es zeichnet sich aber bereits ein silberner Streifen am Horizont ab. Bei den Franzosen ist es bereits Tag. Die Talsole scheint durchschritten zu sein.

Im Bord-Bistro bestellt er sich einen Milchkaffee. Unerwarteterweise gibt es sogar Milch. Der zum Kaffee gereichte, einzelverpackte Lotuskeks kann ohne grosse Kraftaufwendung geöffnet werden. Ein erster sichtbarer Erfolg? welch Genuss.

Dann innerhalb der gefühlten Plötzlichkeit gleich noch einen weiteren Erfolg. Dem geschundenen und moralisch ausgezehrten Protagonisten gelingt erstmals die vollständige Auflösung eines Sudoku(leicht) aus der Pendlerzeitung 20min.

Erhabenere Moment dürfen der Woche nicht abgetrotzt werden. Blasphemisch wäre dies, Gott versucht gar. Jedoch sein mondänmodernes Leben in seiner bizarren Ausgestaltung stumm zu hinterfragen und tüchtig an dessen Fundamenten zu rütteln, wird ihm wohl auch Gott nicht verbieten können.
 

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TTHäbeni vertrödeln ihre kostbare Zeit mit schwachsinnigem Mumpitz.

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D J B r u t a l o @ s c h n u l l i b l u b b e r . c h

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