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28. November 2004

Frau Binggeli

Unwahrscheinlich kleinlich

Wahre Geschichten Vol I

Heute ist es genau ein Jahr her, seit Gustav starb. Wie jeden Morgen sitzt auch heute Frau Binggeli in ihrer Küche und trinkt ihren koffeinarmen Kaffee. Sie erinnert sich an Gustavs Beerdigung und an die traurige Zeit nach seinem Tod. Sie hatten viel zusammen erlebt und sie wusste erst nicht wie sie über seinen Tod hinwegkommen sollte. Mit seinem Fehlen konnte sie am Anfang nur schwer umgehen. Sie probierte sich daran zu erinnern, wann sie damals wieder Mut fasste und ihr Leben erneut an Farbe gewann. Es gelang ihr nicht.
Gedankenverloren betrachtet sie das offene Küchenfenster. Sie fragt sich, ob sie Gustav je wiedersehen würde, in einem anderen Leben vielleicht.
Plötzlich steigt sie auf den verstaubten Schemel den sie seit dem Tod von Gustav nicht mehr gebraucht hat und der auf der anderen Seite beim Tisches steht. Sie atmet ein paar mal tief, breitet Ihre Arme aus und fliegt durchs geöffnete Küchenfenster davon.

Zwei Wochen danach, bemerkt der Hauswart, dass der Briefkasten von Frau Binggeli überquillt. Weil auf sein Klingeln niemand die Tür öffnet, holt er seinen Zweitschlüssel, öffnet die Tür vorsichtig und tritt in die Wohnung von Frau Binggeli ein. Es ist bitterkalt in der Wohnung. Als er in die Küche kommt sieht er das geöffnete Küchenfenster. Verärgert wegen der Energieverschwendung, schliesst er es mit lautem Getöse.


D J B r u t a l o @ s c h n u l l i b l u b b e r . c h

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