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22. Mai 2012

Gr├╝ner Daumen

Sirene Odysseus Wachs Ohr

Mein grosser Gartentag befindet sich jeweils in der ersten Junihälfte. Nachdem ich die Sorge um die Gartenpflege weitgehend delegiert habe, kümmern mich weder Schnecken noch Unkraut. Als Rest bleibt mir einmal im Jahr durch den Himbeerhain zu kriechen und das etwa zehn Quadratmeter grosse Beet von den Baumtropfpflanzen  zu befreien. Der Baumtropf (Aegopodium podagraria) ist ein spinatähnliches Blattgeflecht welches den geliebten Himbeeren (Rubus idaeus) die Nährstoffe aus dem Boden nimmt und den Nacktschnecken (Arion vulgaris) Schutz vor allzu greller Sonneneinstrahlung bietet. Ihm beizukommen ist schier unmöglich, da seine Wurzeln mindestens in die Magmakammern unserer Wohnkugel hinabreichen. Versuche, das Kraut vom Wurzelwerk her zu dezimieren, sind zeitaufwändig und schlugen seither alle fehl.
Verzweifelt entwickelte ich vergangenes Jahr,  eine eigene, zeitsparende Methode. Mit der Hoffnung, das Zeugs verrecke, riss ich bloss die Blätter von den Stängeln und liess sie liegen. Tatsächlich hatte ich für den Rest des Gartenjahres meine Ruhe und die Himbeerstauden dankten mir für die Entlaubung mit Früchten gross wie Tomaten (Solanum lycopersicum) Tauben (Columba palumbus) .

Euphorisch nach dem Erfolg vom letzten Jahr, zwänge ich mich also wieder in mein Agent Orange Kostüm, rufe laut "Baumtropfschreck und Schneck vereck!" und stürze mich wie Weiland Tarzan in den Urwald. (Die Pflanze ist zäh und liess sich offensichtlich durch mein vorjähriges Tun nicht im geringsten beirren, denn sie spross erneut). Ein undurchdringbares Dickicht verschlingt mich gänzlich und ich lange beherzt zu.
Gelegentlich frage ich mich warum man die Himbeere nicht sinnigerweise Stachelbeere (Ribes grossularia) getauft hat und wozu ich dereinst eigentlich die teuren Gartenhandschuhe gekauft habe. Damit sie untätig im Schuppen herum lungern und Gott den Tag zu stehlen? Wohl kaum.
Den Nachbar, welcher ängstlich in meinen Strauch hineinfragt, ob alles in Ordnung wäre, verscheuche ich mit der Ansage, für den Häuserkampf zu trainieren. Nach einer Weile spüre ich die lästigen Ministacheln der versehentlich entwurzelten Himbeeren nicht mehr - Der Tastsinn ist ertaubt, wird wohl kolabiert sein. Da wo ich ihn eben noch vermutet habe, entsteht eine beängstigende Rötung. Davon lasse ich mich allerdings nicht beirren, schliesslich komme ich gut voran und das Ende (vom Beet ) ist nah. Den letzten Rest nehme ich in blindem Aktionismus in Angriff und werde schliesslich von den wahren Stachelbeerstauden jäh gebremst. Mit denen habe ich nicht mehr gerechnet und mit einem lauten Schrei informiere ich die Nachbarn, dass sich der Tastsinn wieder eingefunden hat.

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D J B r u t a l o @ S ç h n u l l i b l u b b e r .ç h (270)

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Kommentare (4)

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22. Mai 2012 um 19:39

EinRheinl├Ąnder

Ja ist denn heute schon Juni (Mensis Iunii)?
Wie man ordentlich vorw├Ąrts st├╝rmt und aufr├Ąumt um z.b. das Unkraut aus dem Elfmeterpunkt zu zupfen, hat man doch neulich bei der Fortunae (Gl├╝ck) aus D├╝sseldorf gesehen. Ein ordentlicher Bengalo dabei w├╝rden bestimmt h├╝lfen, dem l├Ąstigen Baumtropfdings zu zeigen, wer der Herr (dominus) im Garten (hortus) ist!

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22. Mai 2012 um 20:29

DJ Brutalo

nun, es kann nicht schnell genug gehen - das Leben. Nein. Durch den "Juni" kriegt der Eintrag eine gewissen zeitlosen Charakter. (Ich kann getrost in Urlaub fahren, ohne andauernd zu schnulliblubbern)

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23. Mai 2012 um 10:02

N-Deli

Genau (und bilderreich) der Grund wieso ich Him-, Brom- und Stachelbeeren nur in K├╝beln gedeihen lasse. Der Ertrag mag weniger reich sein, daf├╝r muss ich keinen Iron Man Anzug im Schuppen lagern. Und ├╝berdies sind die Baumtr├Âpfe (aka Stechschwarte, da man dieser Schwarte nur mit ausstechen Meister werden kann) offen/ungetarnt im Felde ersichtlich.
Und: was haben uns les Welsches vor, wenn sie den gr├╝nen Daumen "La main verte" nennen?

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24. Mai 2012 um 08:34

DJ Brutalo

sehr aufschlussreich mein Lieber. Wie bereits oben erw├Ąhnt, bin ich mir sehr wohl der Tatsache bewusst, dass dem Baumtropf mit profanem Ausstechen zu Leibe ger├╝ckt werden kann. Bedenken Sie jedoch folgendes: 1stens - der BT ist umstellt von Himbeeren, deren Stachelgew├Ąnder bis tief in den Untergrund reichen und die man eigentlisch verschonen w├Âllte und 2tenz (und jetzt kommts) Sie br├Ąuchten dazu ein Schwert von escalibűresker Auspr├Ągung und L├Ąnge. Haben Sie sowas in ihrem Artusschuppen?
Dass die Sodomiten - ├Ąh Hugentotten (wollte ich sagen)im Westen gleich die ganze Hand hineinstecken (und nicht wie wir) erst einmal den Daumen ist unl├Ąngst bekannt. Auf das vernetzen von einschl├Ągigem Bildmaterial, zur Untermauern dieser These, verzichte ich allerdings bewusst.


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